Sonntag, 4. März 2012

Nervige Nespressos

Es ist ja so, dass ich Kaffee sehr, sehr liebe. Morgens geht ohne gar nix. Und im Verlaufe des Tages auch nicht. Ich tendiere dazu, meinen Kaffeekonsum zu übertreiben, und zwar unter gleichzeitiger Vernachlässigung der Wasseraufnahme. Gar nicht gut. Aber das ist ein anderes Thema.
Zu Hause haben wir einen tollen Vollautomaten von einer Firma, die so heißt wie mein damaliger Studiengang - bezieht sich aber wohl eher auf das schweizerisch/französische Gebirge, glaube ich jedenfalls. Da schüttet man oben Bohnen rein, die werden dann portiönchenweise frisch gemahlen, und unten kommt, je nach Wunsch, Espresso oder Kaffee raus (ich weiß, ich weiß, das hat auch damit zu tun, welche Bohnen man verwendet). Hierher konnten wir nun das zierliche Heimmaschinchen nicht mitnehmen. Und haben zunächst mal ne olle Filterkaffeemaschine gekauft, die aber echt den typischen gruseligen lauwarmen Plörrekaffee macht, der mir einfach nicht schmeckt, nicht mal mit viel heißer Milch. Wir waren deshalb sehr dankbar, von einem Freund als Gegengeschenk für ein Geschenk (ist das vertständlich?) eine Nespresso Maschine zu bekommen. (Nur, um das vorwegzunehmen: wir sind immer noch dankbar, lieber R.). Denn der Kaffee aus diesen Maschinen schmeckt wirklich gut. Die mitgelieferten Kaffeetabs waren wie das bei uns nunmal so ist, schnell aufgebraucht, und ich latschte erstmal ganz naiv in den nächsten Deli und fragte nach Nespresso Tabs. Fragende Gesichter. Die könnte man vielleicht im Kochzubehörstudio XY in Downtown Brooklyn bekommen. Dort gab es sie aber auch nicht, Fakt ist vielmehr: es gibt sie in Brooklyn gar nicht käuflich zu erwerben, nur "in the City". Da war ich schon mal baff. Noch viel baffer aber war ich, als ich bei einem meiner Besuche von SoHo endlich mal am Nespresso Store vorbeikam und schnell mal hineinhuschen wollte, um eine Runde Tabs zu kaufen. Oh nein, schnell hineinhuschen geht nicht. Der Schuppen ist so aufgemacht, als verkaufe man da Diamanten von Tiffany. Oder zumindest sehr, sehr teure Klamotten. Incl. Security, liebevollst dekorierter Auslage (und oh Himmel, man wage bitte nicht hineinzugreifen und sich selbst zu bedienen), und 6 Verkäufern hinter einer Ladentheke, die mal eben breit genug für 4 Verkäufer ist. Alle sehr blasiert, sehr wichtig. Und wie sie die italienischen Tabsnamen aussprechen! Volllluuutttooooo. Da haben die bestimmt mehrere Workshops zu machen müssen. Und dann werden die Dinger nur im 10er Pack verkauft, warum gibt es da keine 50er oder 100er Packs?Ich hasse so ein Getue schon, wenn es wirklich teure Waren sind, die angeboten werden, aber HALLO???? Es geht um Kaffeetabs, das Stück ca. 50 Cent, nicht billig, aber definitiv nicht teuer genug für so ein Trara.
Das Problem ist, es gibt nur 2 (in Worten: zwei) Nespresso Stores in Manhattan, einen eben in SoHo und einen in der Upper East Side (wo ich mich selten aufhalte). Online bestellen ist auch keine Option, weil die Shipping Costs ziemlich horrend sind und ich ja ohnehin schon ein gespanntes Verhältnis zu den UPS Jungs habe. Ich muss also weiter regelmäßig in den nervigsten Shop aller Zeiten wandern. Ja, ich kapiere, dass ein Marketing Konzept dahinter steckt. Wir sind besonders, edel und fein. Es ist nur, was mich betrifft, völlig übertrieben, dieses Konzept. Es könnte aber auch daran liegen, dass sich hier zu diesem Konzept noch die typische NY Blasiertheit mancher Shops gesellt, das ist denkbar. Ich werde es aber nicht herausfinden, denn in Deutschland werde ich Nespresso Stores meiden und wieder meine Kaffeebohnen im Riesenbeutel erstehen. Wieder ein kleiner Grund, sich auf zu Hause zu freuen.

Kommentare:

  1. Tja... Da gibt es wenigstens Kaffee... Und wahrscheinlich auch Alternativen, also draußen auf der Straße, oder? In SH bin ich, nachdem ich total heißdurstig auf wohlschmeckenden Kaffee war, ganz gegen meine Prinzipien im Starbucks eingefallen. Und? Eklig!! Geht das nur mir so? Hier gehe ich nicht zu Starbucks, weil ich den Kaffee zu teuer finde und das alberne Gehabe hinter der Theke nervig finde. Also habe ich in meinem Leben vielleicht drei Starbuckskaffees getrunken. Aber er schmeckt auch nicht. Ist das so? Auch an der Quelle in Amerika oder lag es an SH? Da sieht man mal wieder wie verwöhnt wir alle sind! Aber: Das Leben ist zu kurz, um etwas Schlechtes zu trinken! Gilt nicht nur für Kaffee, oder?

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  2. Ja, die Alternativen auf der Straße gibt es. Aber det hilft mir ja morgens um sieben alleine mit den Kids nix. Starbucks finde ich überteuert, aber ich gestehe, ich mag das Zeug. Und ich bin sicher, es schmeckt wie der Mackes Cheese überall gleich, in Amerika, Europa, Asien, allüberall. Also lag es an Deinen feinen Geschmacksknospen... :-))

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  3. Good morning nach NY! Also ich muss hier morgens um 7 in Thailand mit ner Tasse Instantkaffee vorlieb nehmen. Ich bin mal arm dran...buhaha! Aber nach dem Bericht ist meine schlechte Laune fast wie weggeblasen. Kann mir die blasierten Trulla´s in dem Shop ja so gut vorstellen. Voooolluuuuuuuttoooooo.....haha!

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    1. Instantkaffee geht GAR nicht. Da würde ich wohl lieber auf Tee zurückgreifen. Oder, wie meine Freundin s. immer sagt: ayurvedisches (das heißt, heißes) Wasser! Armes Mädchen, ich bedaure Dich. Aber siehst Du, haste wenigstens auch nen klitzekleinen Grund, Dich auf zu Hause zu freuen.

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  4. Wir fliegen Ende März für eine Woche nach Deutschland. Soll ich Dir dort welche besorgen und mitbringen? wir trinken hier den Kaffee aus einer normalen Maschine aber mit importiertem T*schedu*scho Kaffee weil der andere hier einfach gruselig schmeckt. Laß hören wenn Du was brauchst! Viele Grüße sendet Susanne

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  5. Das ist ja superlieb von Dir, aber so nervig ist der Store dann doch wieder nicht, dass Du extra in Dschörmenie für mich einkaufen gehen müsstest :-). Danke Dir trotzdem.
    Stimmt, hier Kaffeepulver für die Maschine zu finden, das nicht total verbrannt schmeckt, ist auch eine Kunst. Ich hab aber einen Tipp: gehst Du zu dem oben besprochenen Marktführer mit dem grünen Logo und kaufst: "Breakfast Blend". Der schmeckt fast wie "Feine Milde". Wirklich ordentlich.

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  6. Interessante Geschichte, die ich hier in Deutschland so ähnlich erlebt habe. Ich wollte die Dinger vor 2 Jahren als Gastgeschenk besorgen, weil mir nix Besseres eingefallen ist, kurz zuvor die Maschine dazu neu angeschafft wurde und ich mitbekommen habe dass es eine "Weihnachtsedition" gibt. Bin dann also einfach in den nächstbesten Laden gelatscht, hab nach den Kapseln gefragt und wurde in ein Warenhaus geschickt, wo es die dazu passenden Maschinen gibt. Im Warenhaus wiederum habe ich erfahren, dass es den Sch... Kaffee nur in den Stores gibt. Ich also in den Nespresso-Laden (zum Glück war ich nicht weit davon) und mich hat es fast aus den Latschen gehauen, das war so schnieke, dass ich dachte, jetzt kommt gleich tatsächlich George Clooney um die Ecke und drückt mir nen Nespresso in die Hand wie in der Werbung. Die tun so als wären sie Cartier oder mindestens Apple. Jedenfalls war ich mit den Sorten total überfordert (Aprikose? Im Kaffee? WTF?) und die nette Verkäuferin hat mir dann angeboten im Kundenkonto des Beschenkten nachzuschauen, was der sonst so kauft. Ich war ähem ein wenig erstaunt, hab die Dame aber tatsächlich nachschauen lassen, nur leider gab es bis dato nur eine Bestellung, da die Maschine ja ganz neu war. Aber trotzdem. Was ist mit Datenschutz und so? Kann dann jeder Depp mir nachstalken was ich da für einen Kaffee trinke und wie viel? Kann ich nicht einfach anonym Kaffee kaufen gehen? Ich fand das alles total abschreckend und habe beschlossen mir never ever so eine Maschine zuzulegen. Ich bin auch sehr erstaunt, dass die so einen mega Erfolg damit haben. Der Kaffee schmeckt zwar gut, ist aber sauteuer (kein Wunder, wenn man George und die Stores ja irgendwie finanzieren muss...) und ich finde diese Aluminium-Kapseln auch eine Umweltsauerei. Aber in den USA hilft alles nichts, das sehe ich ein...

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  7. Richtig, das frei einsehbare Kundenkonto (Club-Mitglied ist man dann, toll, oder?) hatte ich vergessen. Immerhin war Deine Verkäuferin nett.

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  8. Ach, was ein wunderbarer Text :)
    Glücklicherweise habe ich selbst eine billige Pad-maschine, ich kann daher meinen Kaffee überall kaufen, im Zweifelsfall sogar an der Tanke ;)
    Allerdings kenne ich den Nespressoladen in Salzburg, und auch in Österreich ist das Bild ein ähnliches... superschicker Laden mitten in der Altstadt mit adretten Mitarbeitern in schwarzen Anzügen die vor einem Kaffeepad-kauf erst die Kundenkarte sehen wollen.
    Kundenkarte.
    Für Kaffeetabs.
    Völlig irre.
    Nee, also ich bleibe bei meiner Billig-pad-maschine... Crema krieg ich dort auch hin, nur muss ich mit meinen Pads keinen George Clooney bezahlen.

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