Montag, 13. August 2012

Nanny Wars

Um das mal vorweg zu nehmen: es gibt jede Menge Nannies, die ihren Job gut verrichten, liebevoll mit den ihnen anvertrauten Kindern sind, und sich richtig gut kümmern. Was ich aber auf meinen Spielplatzstreifzügen und Parkbesuchen hier manchmal gesehen habe, hat mir ab und zu Gänsehaut verursacht. Und diverse Male musste ich mich schon zusammenreißen, um mich nicht einzumischen, wenn die Damen wieder besonders "harsch" (das ist vorsichtig ausgedrückt) mit dem anvertrauten Kind sprachen, es angeschnallt eine halbe Stunde tobend und/oder traurig im Kinderwagen sitzen ließen, um in Ruhe zu telefonieren, das schlafende Kind nicht wenigstens in eine bequeme Position brachten, sondern mit eingeklemmten Füßchen und hängendem Kopf sitzen ließen, oder sich einfach gar nicht darum kümmerten, dass das anvertraute Kind gerade gefallen war- weil sie es schlicht nicht mitbekamen. Mich dann aber anraunzten, weil ich es hoch nahm und beruhigen wollte und mich suchend nach einer Bezugsperson umsah.

Ich habe mich immer zusammen gerissen. Ich würde (Ausnahme: totale Extremfälle) keine Mutter "zurechtweisen", und es steht mir natürlich auch nicht zu, Nannies, denn das sind ja nun mal die Ersatzmamas, "zurechtzuweisen." Aber es ist mir manchmal schwer gefallen, und ich habe mich schon gefragt - wer sucht die Damen aus? Ich meine, klar, wir sind in Deutschland ja sowas von priviligiert, was das Arbeitsrecht betrifft. Bis zu drei Jahre beim Kind bleiben und dann zurück in den Job, Elterngeld- das wird hier alles nicht geboten. Entweder die Frauen sind acht Wochen nach der Geburt wieder in ihrem Job - Vollzeit, versteht sich, oder der Job ist eben futsch. Dass die hochqualifizierten New Yorker Ladies ihre Jobs nicht einfach aufgeben wollen oder können, weil das doppelte Gehalt einfach überlebensnotwendig ist, verstehe ich. Ich verstehe allerdings nicht, wie man absolut unfreundliche, dumpfbackige und manierenfreie Menschen auf seine Kinder (die meistens noch nicht mal sprechen und damit Feedback geben könnten) los lässt.

Das Thema ist schwierig, weiß Gott. Zu allem Überfluss schwebt das Damoklesschwert " politisch unkorrekt" über diesem Content, denn die Nannies sind fast ausnahslos schwarz, während ihre Klientel nahezu durchgehend weiß ist. Da denkt man sofort an den Filmhit "The Help", der genau die Geschichte der ausgebeuteten schwarzen Nannies im südlichen Amerika in den 60er Jahren im Blick hatte, und der wirklich herzzerreißend ist. Auch die NY Times brachte letztens einen Artikel über einige Nannies und ihre Schützlinge- reizend (die Nannies allesamt)! Ich weiß - es gibt solche und solche, überall. Auch in Deutschland. Aber hier sind mir in den letzten Tagen nun einmal gleich zwei mal "solche" begegnet. Bei mir hört jeder Spaß dann auf, wenn meine eigenen Kinder angeraunzt werden oder sonst wie betroffen werden. Nachdem ich also vor einigen Tagen mit einer von diesen Ladies aneinander geraten war, weil sie meiner Tochter ihr Sandspielzeug aus der Hand gerissen und sie harsch zurechtgewiesen hatte, sie könnte gefälligst teilen, kam es heute noch besser. Bei dem von uns derzeit bevorzugten Spielplatz gibt es inmitten der Babyschaukeln eine Schaukel, die aussieht wie ein großer Sessel, und auf der auch die etwas größeren Kinder sitzen können/dürfen. Es gibt auch noch einen Bereich mit Schaukeln für Große, der aber am anderen Ende des Spielplatzes ist, und dort lasse ich L. einfach nicht alleine hin, weil ich ihn dort nicht sehen kann, schon gar nicht bei dem Treiben auf dem Spielplatz im Sommer. R wollte also schaukeln und tat dies auch, L. stellte sich brav bei der "Sesselschaukel" an, in der ein Junge seines Alters saß und nuckelte, aber nicht schaukelte. Nach etwa zwei Minuten, in denen ich R. hin und herschaukelte, suchte ich mit den Augen die zu dem Jungen gehörende Aufsichtsperson und fragte schließlich nach weiteren zwei Minuten die neben mir stehende Person, ob sie zu dem Jungen gehöre. Da tönte es aus 20m Entfernung schon recht aggressiv, was ich wolle, und auf meine - sehr freundliche- Bitte, die Schaukel als solche zu benutzen oder bitte Platz für das nächste Kind zu machen, schrie die "Dame" mich an: "Er sitzt da, OK ?" Ich, total baff, und immer noch freundlich meinte, ja, das sehe ich, und das ist für mich auch fein, so lange niemand anderes schaukeln möchte. Da dieser Fall aber nun eingetreten sei, könne das Kind ja auch woanders sitzen und die Schaukel ihrer Bestimmung freigeben. Oder halt schaukeln. Oh weh! Da kam sie aber an, mit Affenzahn und grimmig wie eine Bulldogge, die "Lady". Ich dachte schon, fein, ohne Stress davon gekommen, aber nein, seelenruhig nahm sie den Jungen aus der Schaukel und setzte ein anderes Kind hinein. Ich war leider immer noch völlig perplex und wies sie, nach wie vor freundlich, darauf hin, dass wir gewartet hätten, worauf sie mich anschrie, die beiden Kinder gehörten zusammen. Da wurde ich dann doch patzig, und fragte, was das Benehmen denn sollte, aber es half nichts, das Kind saß auf der Schaukel--- und saß---- und saß. Als dann der große Bruder sich schließlich vor die Nanny stellte und ihr zu verstehen gab, dass er dringend zur Toilette müsse, wurde er von ihr angeraunzt, seine Schwester würde jetzt schaukeln. Es war klar, sie wollte nichts als provozieren, aber ich war sprachlos, dass sie diesen Unsinn auch noch auf dem Rücken des verzweifelt seinen Hosenlatz haltenden Kindes austrug. Wollte ich zwei Minuten vorher noch am liebsten in das Hinterteil der Dame treten und hielt mich eigentlich ernsthaft nur ab, dass sie doppelt so breit war wie ich und ihre Clique mich aus der Deckung im Schatten böse anstarrte, war die Rauchwolke über meinem Kopf schlagartig verschwunden, der Junge tat mir nur noch leid. Wir trollten uns also getreu dem Motto der Klügere gibt nach, und dann durfte das Kind wahrscheinlich auch endlich auf die Toilette. Wahnsinn in Tüten! Langsam habe ich das Gefühl, die anhaltende Hitze lässt hier bei einigen Leuten das Gehirn schmelzen, anders ist so ein Benehmen doch echt nicht zu erklären.

Meine Wut flammt übrigens gerade wieder auf, denn ich merke soeben, dass ich mir beim Schaukelanstehen, als die Sonne ziemlich unbarmherzig auf meine Rückseite gebrannt hat, einen Sonnenbrand geholt habe, weil ich zu gereizt war, um daran zu denken, mich zum 17. Mal einzucremen. Grrr. Ich hoffe, ich muss die..... xygdejbdjsbdgtyxxxxx _Dame nicht in meiner restlichen verbleibenden NY Woche noch einmal sehen. Man sollte sich nicht mit solchen Menschen  herumärgern, das Leben ist echt zu kurz dafür.

Haaaaaa... bloggen hilft!


Kommentare:

  1. Ich war mal nach dem Abi als Au Pair in Upstate New York, da gab es schlimme Geschichten von Nannies und Au Pairs. Allerdings habe ich auch gesehen, dass es vielen Eltern schlichtweg egal ist, was mit ihren Kindern passiert und wie mit ihren Kindern umgegangen wird, Hauptsache sie "stören" nicht den Tagesablauf. Eine Krippe oder ein Kindergarten ist da auf jeden Fall die bessere Alternative aber oftmals viel teurer als eine illegale oder schwarz arbeitende Nanny. Für kleinere Kinder, die noch nichts erzählen können, würde ich mir auch niemals ein Au Pair holen. Ich wünsche Dir trotzdem noch eine schöne Woche in New York! Liebe Grüße!

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  2. Ich habe mich auch immer geweigert meiin Kind einer Tagesmutter zu geben. Zu viele gruselige Stories.

    Dass es in den USA keine besonders familienfreundliche Struktur gibt ist traurig, aber in westlichen Ländern nicht gerade unüblich.

    Mich erschreckt es auch immer wie kinderunfreundlich unsere - ach so modernen -Systeme sind. Da muss sich dringend was tun.

    Ich glaube ich könnte mich auch schwer zurückhalten und in dem Fall mit der Schaukel wüsste ich nicht was ich gemacht hätte.
    Letztendlich hat dein Sohn gelernt, dass man mit Dreistigkeit weiter kommt.

    Das ist aber nicht immer zu verhindern, hatte ich auch schon. Man muss es den Kindern eben erklären, aber schön ist anders.

    Trotzdem einen schönen Tag für Euch.

    LG

    Lady Crooks

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    1. Man muss nicht jeden Kampf mitmachen, und so einen Blödsinn erst recht nicht. Geholfen hat natürlich, dass mein Sohn eh schon halb die Lust am Schaukeln verloren hatte. Außerdem hat sich mit ihm ein recht gutes Gespräch darüber entwickelt und ja, dass Frechheit in dem Fall gesiegt hat, hat er gelernt, aber auch, dass man Dumpfbacken am besten einfach den Rücken kehrt.

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