Donnerstag, 8. November 2012

Selbstkritisch

Manchmal packt man sich ja echt an die Stirn und denkt, Mann, bist Du ein Idiot. Dass mir das anlässlich der Kindererziehung ab und zu passiert, ist nichts Ungewöhnliches oder Neues. Der Mensch ist nur ein Mensch, auch wenn er zum Muttertier mutiert. Aber eigentlich hätte ich immer gedacht, nee, so richtig signifikante "Fehler" unterlaufen mir da nicht über einen längeren Zeitraum. Ganz selbstkritisch muss ich jetzt aber eingestehen: Doch. Wohl doch.

Im Zusammenhang mit dem Vorschul-Schulgedöns- Problem, das ich gerade wälze, habe ich mir natürlich auch wieder literarische Ratgeber zu dem, was ein Vorschulkind können soll und wie es zu erwerben ist, zugelegt. Mit begleitender Literatur habe ich so einen Tick. Das war schon damals in der Uni so, dass es mir schon ein beruhigendes Gefühl gegeben hat, die entsprechenden Bücher meiner jeweiligen "Knack"fächer fein säuberlich auf meinem Schreibtisch aufzureihen. Dass ich dann am Ende des Semesters das Erbrechtsbuch nur zweimal geöffnet hatte, war zweitrangig. Ich hätte ja zumindest jederzeit können. Und so steht da jetzt auch eine stattliche Anzahl an Heften und Büchern zu Vorläuferfähigkeiten, die Grobmotorik fördernden Spielideen und Vorschulrätseln auf meinem Schrank. Um zur rechten Zeit - oder auch nie - zu Rate gezogen zu werden. Eines dieser Bücher aber habe ich sofort und in einem Rutsch durchgelesen. Es empfiehlt, Vorschulkinder einfach nur aktiv am Alltag teilnehmen und im Haushalt helfen zu lassen, damit würden dann quasi von alleine alle notwenigen Vorläuferfähigkeiten eingeübt. Ja gut, das ist ja wohl logisch, habe ich kurz gedacht, als ich den Klappentext studiert hatte, um mir dann bei der genaueren Lektüre eingestehen zu müssen, nee, offenbar doch nicht so logisch.

Ich habe meine Kinder nämlich bei genauerem Nachdenken bisher gar nicht viel im Haushalt helfen lassen. Es ist sogar so, dass ich morgens regelmäßig für beide Kinder die Brote fertig gemacht und das Obst geschnitten habe, den Saft eingegossen und ihnen alles vor die Nase gestellt habe - mal als Beispiel. Nicht, weil ich ihnen nicht zutraue, Dinge auch selber zu können, sondern ganz einfach, weil es praktischer ist und schneller geht. Und, im Fall von R., nicht permanent eine Riesensauerei gibt. Dass ich ihnen damit die Möglichkeit nehme, wichtige Fähigkeiten einzuüben (zum Beispiel wird die Feinmotorik beim Schmieren eines Brotes wunderbar geübt), habe ich mir einfach nicht klar gemacht. Söhnchen hat noch nie die Wäsche zusammen gelegt oder Sockenpaare gesucht (dabei hasse ich diese Aufgabe und würde sie nur zu gerne abgeben). Natürlich zieht er sich alleine an. Aber auch noch nicht seit Jahren, sondern eben erst seit einigen Monaten. Das Buch empfiehlt beispielsweise, den Kindern ab drei beizubringen, sich komplett alleine anzuziehen, zunächst nur ein Kleidungsstück, dann zwei, zu guter Letzt alles, mittels des Auslegens einer "Kleiderstraße". Das finde ich einfach genial, und ich bin sicher, Töchterchen weiß das zu schätzen. Neben dem Einüben von vielerlei Fähigkeiten hat man beim Selbermachenlassen und Helfenlassen im Haushalt natürlich auch noch den Effekt, sich keine vollverwöhnten Prinzen und Prinzessinnen heranzuziehen. Im Moment haben die Kleinen nämlich noch Lust auf´s Helfen. Wenn man sie in späteren Jahren zu solchen Tätigkeiten "plötzlich" heranziehen möchte, sind sie es, wenn man sie nie hat mitmachen lassen, einfach nicht gewöhnt und verweigern die Mithilfe - gewissermaßen sogar zu Recht.

Wie gesagt, mir ist es ein bisschen wie Schuppen von den Augen gefallen und ich war ganz entsetzt, wie wenig ich die beiden wirklich hab teilhaben lassen. Und so wird jetzt hier fröhlich im Abwaschwasser gequirlt, wir backen ständig lustige Tier-Kuchen (stöhn- und dabei soll man schlank bleiben), es wird gefegt und gelegt und gedeckt, und im Supermarkt werden Sachen zusammen gesucht. Es versteht sich von selbst, dass vieles keine "echte" Hilfe ist und man wirklich mehr Zeit für die einzelnen Tätigkeiten einplanen muss, manches im Anschluss eben noch mal machen muss. Das ist für einen ungeduldigen Menschen für mich nicht immer ganz einfach. Und ob ich das in der Art und Weise fortführen kann, wenn ich wieder arbeite und es eben einfach öfter mal wieder schnell gehen muss, weiß ich nicht. Aber die Kinder finden es supertoll und sind eigentlich bei jeder Aufgabe, die ich ihnen gebe, mit Feuereifer dabei.








Wieder was gelernt!

Kommentare:

  1. Süüüüüüüß. Der Katzenkuchen und die kleine Maus sind ja putzig! Du bist so streng mit Dir. Ein signifikanter Fehler war das sicher nicht, Kinder wollen ja meist von alleine bestimmte Sachen selber machen und das haben sie vorher bestimmt auch schon, oder? Deine Tochter ist noch so klein und bei Deinem Sohn ist es sicher auch nicht zu spät, er schwingt den Besen ja schon ganz tapfer wie ein Kung-Fu-Meister sein Schwert :-). Sei froh, dass Du nicht bis zur Pubertät gewartet hast ;-)

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  2. Es ist nie zu spät. Und über "signifikant" kann man streiten. Aber ich bilde mir eben immer ein, recht nah an meinen Kindern zu sein, und in diesem Punkt war ich das wohl länger nicht, bzw. habe nur gemacht, was praktisch war und nicht darüber nachgedacht, ob und wie sich das auswirkt. Bezieht sich natürlich tatsächlich mehr auf den Großen und wäre wahrscheinlich nicht so extrem vorgekommen, wenn Tochter nicht da wäre oder nicht noch so klein wäre (was er machen darf, möchte sie natürlich auch machen), aber dennoch... schadet ja nicht, auch mal ein bisschen Selbstkritik zu üben.

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