Mittwoch, 23. Januar 2013

Von Schrankstopfern und Vermächtnissen

Ich bin ein Schrankstopfer. Und das ist so ziemlich das einzige, was meinen Mann so richtig an mir nervt (sagt er). Noch schlimmer: ich verstehe ihn. Wirklich. Ich bin eigentlich ein recht ordentlicher Mensch. Ich mag es aufgeräumt und bloß nicht zu zugestellt. Aber meine Schränke! Die sind chronisch überfüllt, oft unordentlich und dienen manchmal nicht einmal mehr ihrer ursprünglichen Bestimmung. Da finden sich zuweilen Akten im Bastelschrank. Noch nicht verschenkte Geschenke im Kleiderschrank. Und von den Küchenschränken und -schubladen will ich gar nicht reden. Wenn ich in die Defensive gehen muss (weil der HG mich mit diesem Blick anguckt oder vernehmlich seufzt, wenn er bei der Suche nach einem Computerkabel in der Schreibtischschublade zunächst den Flyer der Pizzeria, 4 Haarspangen der Tochter, allerlei Geschenkband, Taschentücher und eine Familienpackung Pflaster wegräumen muss), behaupte ich einfach nie, nimmer, nirgends ausreichend Platz zu haben. Und mein permanentes Schrankchaos lässt mich zum Spießer mutieren, der sich auf einmal nichts sehnlicher wünscht als riesige Einbau- und hässliche Küchenoberschränke. Es stimmt: Platzmangel verschärft das Problem. Aber die Wahrheit ist, dass ich einfach kein Ordnungssystem habe oder, wenn ich es habe, es nicht konsequent einhalte. Und das kommt so. Nehmen wir mal an, ich habe zum Beispiel die Kochtöpfe in einem Winkel des Küchenschrankes hübsch sortiert hingestellt, von groß nach klein, Pfannen nach links, Deckel nach rechts und so weiter. Dann kommt spätestens 2 Tage später eine Situation, die stressig ist, zB quakt zunehmend nervig die kleine Miss im Hintergrund und verlangt sofortigen Windelwechsel, während ich die Spülmaschine ausräume. Meine Priorität ist dann eben die Windel, und der Topf, den ich in der Hand halte, fliegt ohne Einhaltung eines Systems einfach irgendwo obenauf, wo Platz ist. Eine solche Situation 2-3 mal, und das Chaos im Schrank ist wieder perfekt. Das gleiche passiert regelmäßig, wenn es hektisch ist, auch an anderen Stellen als in der Küche. Und auch, wenn es nicht hektisch ist, kann es sein, dass ich einfach nicht weiß, wohin mit Gegenstand XY, und ihn dann ohne Sinn und Verstand irgendwo hinstopfe, wo er im Moment "nicht im Weg" ist.

(Übrigens ist der HG trotz eines grundsätzlichen Ordnungssinns auch nicht ohne Fehl und Tadel. Er ist nämlich ein unverbesserlicher Handtuchknüller und Sockenherumschmeißer. Das nur am Rande).

Die letzten Tage habe ich so viel über meine Omi nachgedacht. "Lerne Ordnung, übe sie, sie erspart Dir Zeit und Müh´", das ist glaube ich der Spruch, den ich durch meine Kindheit und Jugend am öftesten von ihr gehört habe. "Hat aber auch nix genützt, oder ?", hat sie vor ein paar Monaten mit ihrem typischen verschmitzten Omalächeln gefragt. Ich habe natürlich protestiert, aber irgendwie stimmt es ja.  Eigentlich dürfte es doch nicht so schwer sein, sich einfach ein gutes System zu überlegen, wo die Sachen hinkommen, und dann dabei zu bleiben. Bei meiner Oma war es wirklich himmlisch ordentlich, alles hatte seinen Platz, das hat mir immer ausnehmend gut gefallen. Ganz so muss es bei mir nicht werden, aber ich will doch versuchen, mein Chaos ein wenig zu lichten. Für mich. Aber auch, damit Oma nicht kopfschüttelnd nach unten schielend auf ihrer Wolke sitzen muss, sondern sich frohgemut in die himmlische Backstube begeben kann.

Kommentare:

  1. Suesse, ich habe mich zu 100 Prozent wiedergefunden....Erstaunlich, bei mir dauerts auch nach der groessten Aufraeumaktion immer wieder wenige Tage und das Chaos is back. Trefflich durch Dich beschrieben...sag mal, was macht man gegen Handtuchknueller? Habe auch einen daheim....Kuss

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    1. Bad umbauen! Machst Du doch gerade, oder?


      In der Badausstellung sagte V. doch glatt heute: "Können wir nicht nur EINEN Handtuchhalter kaufen?"

      ???

      Neiuiiiiiiin, wir brauchen BEIDE einen. Besonders Du! Männer!!!

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  2. VIE-LEN-DANK, dass jemand endlich mein Problem beim Namen nennt!
    Schrankstopfer!!!
    Muahahaaaa!

    G A N Z genau so ist es bei mir.
    Und weil ich ein... öhmm... spontaner Mensch bin, würde ich niemals zu meinem Kind sagen:
    "warte, mein Schatz, ich muss eben noch alle Topfdeckel ordentlich reinlegen, dann können wir gemeinsam Trash-tv gucken."
    NIE!
    Deckel irgendwohin, ab auf's Sofa, Haare kraulen.

    So is es, so läuft es ständig, und deshalb... genau.

    Aber schön ist das nicht :-(...

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