Mittwoch, 20. Februar 2013

Weil sie nicht war wie alle anderen

Es gäbe viel zu schreiben, so ist es nicht. Aber... mich hat, abgesehen davon, dass ich das Gefühl habe, seit Jahresbeginn nur mit kurzen Unterbrechungen im Kranken-Kinder-Pflegemodus zu laufen, eine eigenartige Stimmung gepackt, die mir unter anderem das Schreiben, aber auch manch anderes, schwer macht.

Ist es der Winterblues, der ungeliebte Februar, die noch nicht verarbeitete Trauer um meine Oma oder nun gar eine Midlife-Crisis? Vielleicht von allem ein bisschen.

Ich fühle mich müde, ein bisschen überfordert, irgendwie alt  - und ganz und gar nicht fröhlich. Eine für mich untypische Melancholie läuft dauernd mit mir mit.

Die Beisetzung meiner Oma lief dank sehr quirliger Kinder irgendwie ein bisschen an mir "vorbei". Immerhin ruht sie an einem hübschen, recht zentralen Platz, den ich bei Heimurlauben öfters mal aufsuchen kann. Aber reden kann ich nie mehr mit ihr, und das packt mich erst jetzt so richtig. Ich wünschte, ich hätte irgendwann einmal ein Filmchen mit meinem Iphone gemacht, als ich sie besucht habe. Ich höre ihre Stimme noch in meinem Ohr, aber werde ich sie irgendwann für immer verloren haben? Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich ausgerechnet in ihrem letzten Lebensjahr am anderen Ende der Welt weilen musste. Die Trauer, die ich empfinde, ist natürlich auf eine Weise sehr gemäßigt, denn ich weiß wohl, dass hier ein Mensch sein Leben gelebt hat und dass es Zeit für sie war, zu gehen. Mir ist bewusst, dass es gut so für sie war. Und dass es etwas ganz anderes ist, wenn Menschen krank sind, unendlich leiden müssen, viel zu früh gehen müssen. Es ist eine rein egoistisches Gefühl, sie ist weg, nicht mehr für mich da, sie nimmt ein Stück von mir und meiner Kindheit mit. Es gibt einen Menschen weniger, der mich ohne Bedingung und ohne, dass ich etwas dafür tun muss, einfach nur so, weil es mich gibt, liebt. Trotzdem habe ich das Gefühl, ist diese Trauer fast zu viel für mich. Das stimmt vielleicht nicht ganz. Es ist schwer zu beschreiben. Ich finde nicht den rechten Platz dafür in meinem Leben. Ausklammern kann ich sie nicht, richtig zulassen kann ich sie auch nicht, also überfällt sie mich immer mal wieder hinterrücks.

Und dann überkommen mich so schwierige Fragen wie - Was bleibt von einem Leben? Wo gehen wir hin? Wie schafft man es, den Augenblick Wert zu schätzen?

Ich schau mir Fotos von meiner Oma an, blutjung im Brautkleid, mit unergründlichen Augen und einem ernsten Zug um den Mund. Als -ebenfalls sehr junge- Oma, auf jedem Foto lachend. In den letzten Jahren im Altenheim, ein bisschen bitter. Und vor meinem inneren Auge sehe ich sie in ihrem letzten Jahr. Immernoch ironisch und klug, aber wieder milder geworden. Zufriedener, fast heiter. Ich hoffe, so hat sie sich auch gefühlt. Sie hatte wenig gemein mit den "typischen" Damen ihrer Generation, die oft sehr bescheiden und ein bisschen verhuscht, aber auch sehr ladylike wirken. Sie war ein Temperamentsbündel, das dafür gesorgt hat, dass man sie bemerkte, wenn sie hereinkam. Wenn ihr etwas nicht passte, dann äußerte sie es. Sie konnte schwierig sein, aber wenn man sie zu nehmen wusste, der sonnigste Mensch der Welt. (Wenn ich das so lese, erinnert die Beschreibung mich ziemlich an mein Töchterchen....und das nennt man wohl: Der Kreis schließt sich!) Wenn ich an Oma denke, kommen mir immer diese Worte in den Sinn:

"Weil Du ein Herz hast wie ein Bahnhof,
aus dem ein Zug auf Reisen geht,
und meine Stimme sagt: fahr nicht los,
wenn Du für immer von mir gehst,
weil Du nicht bist wie alle anderen,
auch wenn Du ausgehst wie das Licht
und mit Dir tausend Sterne wandern,
weil es Dich gibt,
liebe ich Dich."

(Von hier).

Ich fühle mich, als wolle dieser Winter kein Ende nehmen.


Kommentare:

  1. Ach liebes Emilein, fühl Dich gedrückt. Der olle Winter. Wird Zeit das der Frühling kommt. Und Dein V. Und Deine Omi wird immer bei Dir sein. Nur irgendwie anders. ♥, H.

    AntwortenLöschen
  2. Ach, ich fühle mit Dir und denke fest an Dich. Schick Dir einen dicken Kuss....die Liebe bleibt, wo auch immer Omi gerade ist...

    AntwortenLöschen