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Donnerstag, 19. Juli 2012

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg - und ich

An Jonas Jonasson (heißt der eigentlich echt so??) kommt ja momentan niemand so richtig vorbei. Ich habe den "Hundertjährigen" auch vor ein paar Wochen gelesen und war nach langer Zeit mal wieder so richtig begeistert von einem Buch, musste teilweise beim Lesen sogar laut auflachen. Klug, witzig, unfassbar phantasievoll. Wirklich zu empfehlen. Die verkniesterte Kritik, der Autor würde die Tragödien der Menschheit des letzten Jahrhunderts nicht ernst nehmen, kann in ihrer Kleingeistigkeit natürlich nur aus Deutschland kommen, finde ich. Aber das nur am Rande.

Heute bei Dunkin´Donuts, wo die Kinder ein kleines Eis mit Gummibärchen zur Bewältigung des Nachmittagstiefs serviert bekamen, saß am Nebentisch ein älterer Herr. Ziemlich älter. Typ distinguierter Gentleman, mit tadellosem Anzug, Gehstock und sogar Hut. Er fiel mir gleich auf, weil er irgendwie so ...verschmitzt-intelligent aussah und natürlich wegen des gepflegten Auftritts. Ich nannte ihn im Stillen sofort Allan und beschloss, dass er oder einer wie er Vorbild für den Romanallan gewesen sein musste. Da ahnt der Leser, woher Söhnchen seine Phantasie hat....Allan und ich lächelten uns zu, als wir gleichzeitig zur Theke gingen, um einen Kaffee zu bestellen. Natürlich weiß ich, was sich gehört, und ließ ihm höflich den Vortritt. Davon wollte er aber nichts wissen, grinste verschmitzt und sagte doch allen Ernstes, als ich mich umdrehte, mit einem bekräftigenden Nicken und einem doppelten Zwinkern: "You look sexy!" aber er sagte es nett, anerkennend und kein bisschen anzüglich - und ich dachte mir nur, ja Du Schlawiner, ich kann mir schon vorstellen, was für ein Womanizer Du warst, ungefähr kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Ich musste kichern, die Dunkin´-Damen ebenfalls, Allan und ich nickten uns fröhlich zu -  und ich fand es irgendwie reizend, so ein Kompliment von einem ca. 89jährigen bekommen zu haben, der aussieht wie eine Romanfigur.


Donnerstag, 27. Oktober 2011

Sidewalk-Schätzchen #2


Na bitte. Dieses Buch wollte ich immer schonmal lesen, da Gott und die Welt davon schwärmt.

Montag, 17. Oktober 2011

Sidewalk-Schätzchen





Ich habe hier schon öfter beobachtet, dass die "Park Sloper" ganze Kisten voll mit gelesenen Büchern auf ihren Vortreppen abstellen. Manchmal hängen auch alte Kleider an den Zäunen oder (echt olle) Schuhe stehen vor der Tür. Ein paar Tage später ist dann alles noch Verwertbare weg. Das ist vielleicht ein Teil der grünen Bewegung hier- erst brauchen die Amis Ewigkeiten, um mal zu kapieren, dass sie die größten Umweltverpester des Universums sind, dann geht aber auf einmal alles nicht schnell genug und man kann nicht so schnell "maunz" sagen, wie sich hier alles auf umweltbewusst einstellt. Es wird auf das Enthusiastischste Müll getrennt (und kontrolliert). Alles, vom Briefpapier bis zum Lakritz muss "Organic" sein, und sogar der Weihnachtsmann ist gerne mal von oben bis unten grün, um an das Umweltbewusstsein der New Yorker zu appelieren. In jedem Fall gucke ich immer sehr neugierig, was sich in den "Free" Boxen so befindet, komme aber meistens zu spät und finde nur noch zerfledderte Blätter vor- oder so Großartigkeiten wie "Straßenatlas New Jersey 1983". Letztens habe ich aber einen tadellosen Puppenbuggy aus einem Haufen Schrott herausgefischt, was die Spannungen in diesem Haus vorübergehend sehr eingedämmt hat (beide Kinder wollten immer gleichzeitig die Puppen herumfahren, was mit einem Buggy nicht so gut möglich war). Und am Freitag war ich doch echt mal zur rechten Zeit am rechten Ort. Als ich L. vom KiGa abholte, standen auf einmal drei volle Kisten mit offenbar ungelesenen Hardcover Büchern neben mir. Ich war baff. Man muss wissen, ich bin ein Riesenbücherwurm, auch wenn ich derzeit verhältnismäßig wenig zum Lesen komme (oder nach 2 Seiten einschlafe). Ich steh außerdem wahnsinnig auf Hardcover, bin aber meistens zu geizig, für ein Buch 30 oder mehr EUR auszugeben (irgendwo muss man ja sparen) und halte mich deshalb meist an Taschenbücher. Deswegen war ich hochentzückt über diese Bücherkisten, auch wenn ich nach kurzem Scannen feststellte, dass es sich ausschließlich um Krimis handelte. Offenbar wohnt da eine im Verlagswesen tätige Dame (sie hat sich nicht die Mühe gemacht, ihre Korrespondenz aus den Büchern herauszunehmen, die lose gefaltet darin lag). Die ganzen Bücher sollten -ggf - für einen Agatha Christie Award vorgeschlagen werden. Doch, doch: dann und wann mag ich Krimis. Sie dürfen nur nicht so dunkel-dunkel düster sein wie etwa die "Wallander" Bücher, wo es immer regnet und die Hauptperson mindestens eine mittlere Lebenskrise hat. Wenn schon Mord und Totschlag, dann für mich bitte gewürzt mit einer Prise Humor (drum mag ich wahrscheinlich auch die Münsteraner "Tatorte" mit Abstand am liebsten... ok, könnte auch an J-J Liefers liegen....) Ich habe mir also die auf den ersten Blick vielversprechendsten 6 Bücher herausgefischt und mein Herz hat wirklich geblutet, dass ich nicht mehr mitnehmen konnte, weil es nämlich anfing zu regnen, und es mir unendlich leid tat, dass die schönen Bücher im wahrsten Sinne des Wortes absoffen. Leider konnte ich wirklich nicht mehr von ihnen retten, aber ich habe die Kisten schnell noch unter ein Vordach gezerrt.

Zu Hause habe ich ganz verliebt die Inhaltsangaben auf den Einbänden gelesen und ich glaube, ich habe ganz spannende und spaßige Bücher erwischt. War sehr selig, am Freitag Abend!