Posts mit dem Label Dankbarkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dankbarkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 28. November 2011

Abends an Deinem Bett


Kleine Miss, nun ist der Tag wieder vorbei. Draußen ist es schon ganz dunkel, und Du hast eben beim Zubettgehen nach dem "Mooooon" Ausschau gehalten. Wir konnten ihn aber heute nicht sehen, es ist zu wolkig. Das Zähneputzen fandest Du wieder zum Heulen, aber dann haben wir "Gute Nacht, Dudu" gelesen, darüber hast Du Dich gefreut, jede Seite aufgeregt mit dem Fingerchen angetippt und alle Dir wichtigen Gegenstände im Buch benannt. Wir haben allen Sachen in Deinem Zimmer "Gute Nacht" gesagt. Was bei Deinem Bruder im gleichen Alter gute 10 Minuten gedauert hat, geht bei Dir im Nullkommanichts. Das liegt einerseits daran, dass Dein Zimmer so klitzeklein ist, andererseits daran, dass ich L. nicht so lange unten alleine vor dem Computer sitzen lassen möchte, auf dem er die importierte Sandmann DVD anschaut. "Gute Nacht, Lampe. Gute Nacht, Kommode. Gute Nacht, Mobile. Und gute Nacht, Bild" sagen wir also, und Du machst Dein "winke-winke" Zeichen und sagst "bye-bye", denn Du bist ja unsere kleine NY-Miss. Dann lässt Du Dich auf meinem Arm nach hinten fallen, zum Zeichen, dass es nun mit der Kuschelei langt und ich Dich gefälligst in Dein Bett legen soll. Ist das Kuschelkissen von Tante A. da? Und Dein Teddybär, den Dein Bruder "Schneeflocke" getauft hat? Der Nunu? Ja, alles ist richtig. Beruhigt sagst Du noch einmal "Heia-Heia", um mir mitzuteilen, dass Du jetzt schlafen möchtest und ich ruhig hinausgehen kann. Ich würde lieber noch ein Weilchen an Deinem Bett sitzen, kleines Mädchen. Ich wünsch Dir süße Träume. Schlaf schön!


"Abends an Deinem Bett zerrinnt
das Wichtige zur Nichtigkeit,
ratlos und voller Dankbarkeit
steh ich vor Dir und ich empfind´
so etwas wie Demut, mein Kind."

R.Mey

Thanksgiving

Vergangene Woche ist mein Citywalk ausgefallen. Das lag in erster Linie am Wetter, das am Dienstag und am Mittwoch- meinem Geburtstag- wahrlich novembermäßig ausfiel; es schüttete Bindfäden. Ich verbrachte meinen halben freien Tag mit dem Computer auf dem Schoß und der Teetasse neben mir auf der Couch und fröhnte meinem neuen Hobby: Blogs lesen. Während ich mich lange damit begnügt habe, die Blogs der Handvoll Menschen zu verfolgen, die ich persönlich kenne, lese ich inzwischen mal hier, mal da, und habe auch schon ein paar Blogfavoriten, zu denen ich aus irgendeinem Grund regelmäßig zurückgehe. Weil die Fotos so schön sind. Die Schreibe so genial. Oder der Humor der Autorin so trocken (da fällt mir gerade auf: einen männlichen Blogger habe ich überhaupt noch nicht entdeckt). Die Menschen bloggen über die unterschiedlichsten Sachen - über´s Reisen, über´s Mamadasein, über´s Nähen, über Architektur oder über Literatur - und über alles andere, was man sich nur vorstellen kann. Und weil die meisten dann auch noch eine "Blogroll" haben, also quasi eine "Diese-Blogs-Gefallen-Mir-Liste", kann man ganz easy von einem zum anderen hüpfen. Ich finde das spannend, so einen kleinen Eindruck von anderen Leben zu gewinnen. Aber ich bin ja auch so eine, die wahnsinnig gerne im Dunkeln in die beleuchteten Wohnzimmer schaut, um zu sehen, wie die Menschen eingerichtet sind. Ich selber gewähre diese Einblicke übrigens auch, ich mag nämlich überhaupt keine Jalousien und fühle mich wie eingesperrt, wenn diese herabgelassen werden.

Am Dienstag bin ich jedenfalls über diverse Umwege auf eine Seite gekommen, die mir den Atem stocken ließ. Ich las und las, etwa drei Stunden, ohne Pause. Der Tee wurde kalt, mir wurde auch kalt. Ich las über ein gestorbenes Kind, eine Familie, die mit der Trauer leben lernen muss, eine Mutter, die in ihrem Schmerz so unsagbar schöne Liebeserklärungen für ihr Kind schreibt, die so weise und tiefsinnig und hoffnungsvoll erscheint, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen.

Es war sehr passend, dass mein Geburtstag und Thanksgiving vor der Tür standen. Zu selten, viel zu selten, mache ich mir bewusst, wie glücklich ich bin, wie viel Grund ich habe, glücklich zu sein. Meine Kinder lachen und laufen und sind fröhlich und sind DA. Ich darf sie begleiten. Wir alle sind gesund, wir alle sind zusammen. Mein Glück ist wie eine Seifenblase, das weiß ich. Schon morgen kann alles anders sein. In diesem Bewusstsein habe ich meinen Geburtstag sehr fröhlich gefeiert. Thanksgiving war trotz des unvermeidlichen Turkeys und eines lauten Come-Togethers innerlich etwas leiser und ich: tatsächlich voller Dankbarkeit.